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german.pages.de

Warum sind Europas Autos so schlecht?



Deutsche Autos sind gefragt auf dem Weltmarkt. Angeblich auch in den USA. Laut einer aktuellen Meldung wollen die deutschen Hersteller 2012 den amerikanischen Markt aufrollen und ihre Verkaufsziffern kräftig steigern.

Was aber sagen die Amerikaner dazu? Schon 2007 hat german.pages.de über das Qualitäts-Dilemma der europäischen Autoexporteure berichtet. Seither hat sich nicht viel geändert.

Drei japanische Marken — Honda, Subaru und Toyota — gelten laut Consumer Reports als die besten Autos in den USA. Bei den europäischen Herstellern, vor allem den deutschen Premium-Marken, kritisiert die Test-Organisation in einer Zusammenfassung vom April 2011 erneut Probleme der Zuverlässigkeit:

Europe is mixed

"If front-seat comfort, fit and finish, and driving dynamics were all that counted, European cars would rule the roost. As it is, subpar reliability hounds some European brands. Volkswagen's brand reliability has improved of late, but Audi's spotty reliability brings the combined automaker's score down. If the new Jetta sedan, with its low-grade interior and mediocre fuel economy, is an indication of where Volkswagen is headed, it's going in the wrong direction. Mercedes-Benz and BMW, with below-average reliability, are near the bottom of our ranking. Their SUVs, especially, had reliability problems, according to our survey, despite being good performers. And although the BMW 1 Series has an excellent road-test score, it is hobbled by terrible reliability."

Als Hintergrund wiederholen wir hier den Bericht von 2007:





Jedes Frühjahr wird in den USA mit Spannung das Autoheft der wahrscheinlich grössten Testzeitschrift der Welt, Consumer Reports, erwartet.

Die von einer nicht-kommerziellen Organisation herausgegebene Zeitschrift stützt sich nicht nur auf eigene Tests, sondern auch auf über eine Million Berichte von Abonnenten über ernstliche Probleme, die sie in den vorangegangenen zwölf Monaten mit ihrem Fahrzeug hatten.

In detaillierter Form stellt das Heft dar, wie viele und welche Schäden jedes Automodell in den vergangenen Jahren aufgewiesen hat. Bei neuen Modellen gibt Consumer Reports, gestützt auf die Erfahrungen, eine Prognose, wie sich der neue Typ voraussichtlich bewähren wird.

Für Millionen Amerikaner und Kanadier entscheidet die Lektüre des Aprilhefts, welches Auto sie neu oder gebraucht als nächstes kaufen werden. Zuverlässigkeit, Leistung, Komfort, Verbrauch, Preis und Werterhalt sind die Kriterien für eine rationale Entscheidung.

Nordamerika ist der grösste Automarkt der Welt. Zahlreiche Marken und Modelle, die es dort gibt, sind in Europa unbekannt. Andererseits gibt es viele europäische Marken und Modelle, die es nicht über den Atlantik schaffen, meistens weil ihre Chancen in Amerika gering eingeschätzt werden oder weil Preis- und Zuverlässigkeitsprobleme ihre Einführung behindern.

Etliche europäische Marken, die es einst in USA gab, haben sich aus diesen Gründen zurückziehen müssen. Fast alle der Europäer, die auf dem amerikanischen Markt durchhielten, sind Premiummarken, also entweder edle Karossen oder feurige Sportwagen. Consumer Reports veröffentlicht jedes Jahr die Sieger der Qualitätstests in den verschiedenen Kategorien. In vergangenen Jahren waren die Siegerpodeste meist gemischt besetzt. Schon seit langer Zeit dominieren zwar die Japaner, doch es gab immer wieder auch einen Europäer oder Amerikaner, der es an die Spitze schaffte.

Im Jahr 2005 fiel die Kleinwagen-Kategorie noch an eine amerikanische Marke, alle anderen waren Japaner. In 2006, freilich, halten die Japaner erstmalig die Spitze in allen Autokategorien.

Ein kritischer Blick auf die Ergebnisse im einzelnen fällt für die Europäer einigermassen vernichtend aus. In der Zuverlässigkeitsprüfung des Jahres 2005 schneiden die Japaner und Koreaner mit Abstand am besten ab, mit 12 Problemen je 100 Fahrzeuge.

Auf dem zweiten Platz folgen die US-Hersteller mit 18 Problemen pro hundert Autos, eine Zunahme um 1 Problem gegenüber dem Vorjahr.

Die europäischen Fahrzeuge bleiben, wie in den vier Vorjahren, die unzuverlässigsten, mit nunmehr 21 Problemen je hundert Fahrzeuge.

Bedenkt man, dass es sich oft um teure Premiumfahrzeuge handelt, ist diese Statistik sehr enttäuschend. Warum, so mag man sich fragen, kaufen die Amerikaner dann immer noch europäische Marken?

Grundsätzlich gilt, dass viele Kunden ihren Europäer als Statussymbol oder Spassfahrzeug betrachten, und daneben für den harten Alltagsverkehr einen Asiaten oder Amerikaner benutzen. Diese Aufgabenteilung funktioniert jedoch nur so lange, wie die Europäer die Hoheit in der Luxusklasse behalten. In diese drängen aber seit langer Zeit nicht nur die traditionellen amerikanischen Luxusmodelle, sondern auch höchst erfolgreich die Japaner. Selbst die Koreaner unternehmen nun schüchterne Versuche, Luxusvehikel in den Markt zu schleusen.

Im einzelnen hat Consumer Reports im Jahr 2005 62 Modelle als typisch zuverlässig klassifiziert, die als gute Gebrauchtwagen gelten können; eine Zunahme um 8 gegenüber dem Vorjahr. Wie zu erwarten, wird die Liste von den Japanern dominiert. Immerhin schafften es auch sechs Amerikaner auf die Liste, darunter sogar ein klassischer Strassenkreuzer, wie ihn Polizei und Taxifahrer gerne benutzen.

Wer nach Europäern späht, findet zwei deutsche Modelle, die zufällig auch noch in den USA gebaut werden. Eines dieser Modelle ist inzwischen ausgelaufen, sodass als Fazit verbleibt, dass ein einziges Modell unter 62 derzeit Europa vertritt.

Ganz anders liest sich die Liste der 34 Modelle mit unterdurchschnittlicher Zuverlässigkeit, die Consumer Reports als riskante Käufe einschätzt. Darin ist kein Japaner zu finden, und nur ein Koreaner. Vielmehr sind 21 US-Fabrikate aufgeführt, der Rest sind Europäer, nämlich 12. Von diesen stammen 8 aus Deutschland, 3 aus Grossbritannien und 1 Modell aus Schweden. Vier der erwähnten deutschen Modelle stammen von Premium-Marken.

Man mag das Fazit ziehen, dass es für Europas Autoindustrie ein Segen ist, dass es Consumer Reports im eigenen Kontinent nicht am Kiosk zu kaufen gibt. So kann sich weiterhin der Glaube halten, dass der alte Erdteil hervorragende Autos baut, die vielleicht in punkto Zuverlässigkeit nicht ganz das Niveau der Japaner erreichen, aber den Amerikanern allemal überlegen seien.

Man sollte dennoch zur Kenntnis nehmen, dass Amerika nicht nur billige und grosse Autos baut, sondern in Konkurrenz mit den Asiaten und vor allem in Gemeinschaftsproduktionen mit ihnen zunehmend lernt, zuverlässigere Fahrzeuge zu bauen.

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—— Heinrich von Loesch

Update

Der Einfluss der deutschen Autolobby auf die Medien wurde von einer dpa-Meldung vom 6.12.2012 illustriert. Dem TÛV Report 2013 entnimmt dpa folgende Aussage: "Dem Report zufolge schnitten vor allem die Autos deutscher Hersteller recht gut ab..."

Das Gegenteil war der Fall. Laut Spiegel Online vom 6. und 7. Dezember schnitten die Japaner unter den Besten aller Altersklassen mit 9 Fahrzeugen am besten ab, darunter allein 6 Toyotas. Die deutschen Hersteller brachten es zusammen auf 6 Fahrzeuge, davon allein 3 Porsches mit niedrigem Kilometerstand. VW, Audi und Mercedes gelangten mit je 1 Fahrzeug in die Bestenklasse.